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Kann die öffentliche Gesundheitsversorgung eine Milliarde einsparen? Die Antwort lautet: ja !

Durch den Regierungswechsel in Österreich am 18.12.2017 ergab sich nicht nur eine Änderung der politischen Verantwortung, sondern auch eine neue Argumentationslinie der konstituierten Opposition.

Erwartungsgemäß präsentierte sich die größte Oppositionspartei als „Schutzherrin“ ihr nahestehender  Institutionen, wobei vor allem die Gebietskrankenkasse im Rahmen der längst vom Rechnungshof empfohlenen  Kassenreform in die Rolle des zu verteidigenden „Waisenkindes“ schlüpfte.

Beachtenswert wird im RH-Bericht   mangelnde Planung und unzureichende Prognosegenauigkeit der Krankenkassen hervorgehoben

Link-> Rechnungshof 2016: Finanzierung der Krankenkassen

Strategische Zielvorgaben fehlen teilweise und wenn es sie gibt, fehlt die Abgrenzung zur operativen  Steuerung – kurz gesagt: das Tagesgeschäft wird zu wenig ernst genommen.

Eine radikale Änderung des Krankenkassensystem im Sinne einer wirksamen strategischen Planung und operativen Umsetzung erscheint aus zwei Gründen bedeutsam:

  1. die tatsächlichen Verwaltungskosten für das österreichische Gesundheitssystem sind viel, viel höher als von den (Gebiets)Krankenkassen angegeben, da eine enorme Verwaltungspflicht – noch dazu meist ohne medizinischen Mehrwert – an die intramural und extramural tätigen medizinischen Berufe ausgelagert wird. Dies führt zu einer massiven Reduktion der Wochenstundenanwesenheit medizinischer Berufe am Patienten selber. „Wer immer wieder Mehrfachdokumentation machen MUSS, hat weniger Zeit für kranke Menschen!“
  2. die über Jahrzehnte von den Gebietskrankenkassen  heftig ausgelebte Beschädigung von Ansehen und Tätigkeit der Allgemeinmediziner hat zu einer Kaskade an schweren Versorgungsmängeln geführt, die mittlerweile auch die Akutversorgung in den Spitälern belastet. Üblicherweise werden in Europa etwa 40% der  Akutpatienten  in allgemeinmedizinischen Gruppenpraxen und etwa 60% in Krankenhaus-Notfallambulanzen  versorgt – v.a. zukünftig eine Unmöglichkeit in Österreich, da es an  Allgemeinmedizinern mangelt – bedingt durch Pensionierungswelle, aber auch durch  miserable Bezahlung. Im Rahmen der Ärzteausbildungsreform  zeigte sich schon 2016 das  Desinteresse der jungen Ärzteschaft an der Ausbildung zur Allgemeinmedizin-kein Wunder bei der  Demotivation tätiger Allgemeinmediziner durch die GKKs.  Alleine der schwere Planungsfehler bei der allgemeinmedizinischen Versorgung  durch die GKKs genügt für eine tiefgreifende Reform  als Rechtfertigung. Die von patientenfernen Theoretikern erschaffenen „Kopfgeburten“ PHCs, bzw. PVEs, die  funktionierende, allgemeinmedizinische Gruppenpraxen darstellen sollten, sind so  unattraktiv geschaffen,dass praktisch niemand das Risiko auf sich nehmen will.

 

Jetzt zum Hauptthema dieses Artikels – wie kann man einsparen?

 

Um dies zu beschreiben, muss man strikt folgendes trennen:

a)  krankenkasseninternen Verwaltungsaufwand (angeblich 4-7% vom KK- Gesamtbudget)

b) Bürokratiefolgekosten durch an Gesundheitsberufe, Ordinationen und Spitäler ausgelagerte Verwaltung. Diese liegen wahrscheinlich über dem Verwaltungsaufwand der KK, sind aber versteckt und auf den ersten Blick nicht zu erkennen.

c) gesundheitspolitische Projekte ohne medizinischen Mehrwert, z.B.:  eigene, neue Studie über spezielle Frakturen bei schon zahlreich vorliegenden internationalen Leitlinien. Oder: Behördenleitlinien, die keine internationalen Qualitätsstandards erfüllen – und damit medizinisch als wertlos zu betrachten sind.

 

Eine gute, für Deutschland geltende, Übersicht ist die schon früher erwähnte Studie von A.T.Kearney über das Deutsche Gesundheitssystem von 2011

Link-> A.T.Kearney: aufgeblasene Verwaltung

Hier wird der gesamte Verwaltungsaufwand der öffentlichen Gesundheitsversorgung mit mindestens 23% vom   Gesundheitsbudget geschätzt – wovon man natürlich die „normalen“ Verwaltungskosten abziehen muss.  Zumindest 8% vom Gesamtbudget der öffentlichen Gesundheitsversorgung werden in der Studie als sichere Einsparungsmöglichkeit geschätzt.

facit: bei bestehender, massiver zusätzlicher Verwaltungsauslagerung  an Ordinationen und Spitäler liegen Kosten und  Einsparungsmöglichkeiten weit über dem (Teil)Betrag  der krankenkasseninternen Verwaltung.

 

Günter Koderhold

Künstliche Intelligenz in der Medizin

März 2018 erschien im Wirtschaftsmagazin „Forbes“  wieder ein Artikel über Künstliche Intelligenz (=KI)  innerhalb der Medizin – eine Wechselwirkung, die den Verfassern von „Forbes“   am Herzen zu liegen scheint.

Link-> einige Beispiele für KI und Medizin

Am 16.3.2018  fungierten innerhalb des Artikels Medizin, KI und Ethik als Hauptdarsteller – der Faktor Kosteneinsparung wurde diesmal von der Bühne verbannt – Ethik war im Blickpunkt.

Da Entscheidungen innerhalb der Medizin meist erhebliche Konsequenzen haben, werden computerbasierte Entscheidungshilfen allerdings auch zu Recht nach ihrer ethischen Gewichtung hinterfragt.

Zur Beleuchtung der ethischen Stolpersteine erlaube ich mir einige Erklärungen:

Den  Definitionsdschungel durch die angloamerikanische intelligence und die deutsche,  humanfixierte Intelligenz möchte ich  vermeiden und Künstliche Intelligenz(=KI)  als automatisiertes  intelligentes Verhalten und Maschinenlernen umschreiben.

Eine weitere funktionale  Aufteilung in eine schwache KI und eine starke (menschenähnliche)  KI scheint mir bei der Erarbeitung ethischer Probleme ebenso hilfreich zu sein.

Die schwache KI unterstützt nur menschliche Entscheidungsfindungen, hat aber dennoch die Fähigkeit des maschinellen Lernens  und kann mit unsicheren Ausgangslagen sowie deren Wahrscheinlichkeiten  umgehen.

Die schwache KI arbeitet  mit mathematischen und logischen Algorithmen, besitzt zu keiner Zeit ein eigenes Bewusstsein – der Lernvorgang muss aber schon im KI-System integriert sein  – nachträgliches, imperatives Programmieren sollte nicht sein.

Ich durfte selber einige Jahre mit dem Entwicklungssystem Personal Consultant Plus von TI arbeiten und kann mich gut an die  Stellschrauben der certainty factors erinnern, die sich das XP-System bei gehäuftem Einsatz  auch selber verstellen kann.

Und hier kommt die unmittelbare ethische Verantwortung der menschlichen Erstanwender zum Tragen, der  ja den Umfang des maschinellen  Lernens und damit die Selbstregulierung des Systems beeinflussen – was wiederum bedeutet:

Jeder Einsatz von KI  innerhalb der Medizin muss von Ärzten ( nicht Technikern, „Gesundheitsexperten“ oder gar Patientenanwälten) überwacht werden, da sich KI-Systeme  weiterentwickeln   und genauso wie Menschen Falsches lernen können und dadurch falsch entscheiden.

Gefährlich wäre dann der nächste Schritt: die sofortige Weitergabe   falscher KI-Daten in ein kollektives, maschinelles Wissen, wo es ungeprüft und überhastet zum Schaden anderer weiterverwendet werden könnte.

Link-> Use of Artificial Intelligence Raises Ethical Questions.

Der Unterschied zwischen gebräuchlicher Programmierung mit  eindeutiger Verantwortung und einer selbstlernenden KI, die   selbsterweiternd ist, kann nicht deutlich genug wiederholt werden.

Aus der bekannten, klar imperativen Programmierung wird eine zunehmend  logisch autonom agierende Entscheidungshilfe, die man durch Konfrontation mit unbedingt unverfälschten Informationen sorgsam „erziehen“ muss.

KI wird noch über einen sehr, sehr langen Zeitraum lediglich „decision support“ sein, nur bei  zeitweisem starkem Mangel an ärztlichen Personal, wie  in Kriegs- und Katastrophenzeiten, wird die Gewichtung sich mittelfristig verschieben. Es ist möglicherweise im militärischen Gefechtseinsatz mit autonom entscheidender medizinischer Notfall-KI  zu rechnen.

Link-> AI in Emergency – Hope or Hype?

Zum Abschluss noch ein kurzes Video über Röntgendiagnostik und KI

facit: die Vorteile der  KI in der Medizin werden etwaige Probleme wohl deutlich überwiegen.  Wichtig ist die Erkenntnis,  mit der KI über ein   Werkzeug zu verfügen, welches völlig neue Verantwortungsbereiche durch das  Angebot der Lerninhalte schafft.

Günter Koderhold

 

 

 

GESUNDHEITSBÜROKRATIE VERDRÄNGT ALS KOSTENFAKTOR BALD DIE PHARMAINDUSTRIE

Die Gesundheitsbürokratie wird teurer als die Pharmaindustrie – allerdings ohne Wert und Gegenleistung

bürokratieparasit

Der internationale  Gesundheitsmarkt wird nicht nur von Patienteninteressen, sondern auch von Unternehmensseite vorangetrieben –  das beweisen  die unzähligen Health-Startups, manche wertvoll und segensreich, aber auch sehr viele ohne medizinischen Mehrwert.

Um wirtschaftliche Interessen  als Patienteninteressen zu  verkleiden, ist kein Euphemismus platt genug.

U.a. wird derzeit an der mutmaßlich größten Health Cloud Europas gearbeitet, wobei laut Broschüre der Wunsch des mündigen Patienten im Mittelpunkt stehen soll – eine kühne Anmaßung – letztendlich geht es um das Geschäft mit  dem Verkauf halbanonymisierter medizinischer Daten – die Verwaltung  medizinischer Inhalte zur selbständigen Verfügung  Versicherter bleibt ein Nebeneffekt.

healthdataspace.org/gesundheitsnetzwerk

In Deutschland wurde von A.T. Kearney (Dez.2011, Deutsches Gesundheitssystem auf dem Prüfstand) eine Studie bezüglich der Langzeitfolgen einer verdichteten Spitals- und Krankenkassenbürokratie erhoben – mit ernüchternden Resultaten: die Vergeudung wertvoller Arbeitszeit   teurer medizinischer Berufe durch Mehrfachdokumentation  vernichtet  ein Viertel der Gesundheitskosten – und das ohne jeden medizinischen Mehrwert!

Deutsches-gesundheitssystem-40-4-milliarden-euro-kosten-durch-aufgeblasene-verwaltung

In den USA wächst seit Jahren  die Kritik an der gefräßigen Spitalsbürokratie, nach der New York Times

When-hospital-paperwork-crowds-out-hospital-care

kritisiert auch das gewichtige Wirtschaftsmagazin FORBES  die Ressourcenvernichtung an wertvoller medizinischer Arbeitszeit:

Doctors-wasting-over-two-thirds-of-their-time-doing-paperwork

Am Ende  ein Comedy-Clip über ein Spital ohne medizinisches Personal

Günter Koderhold

 

Ein Vorschlag zur Neustrukturierung des KAV-Managements

Nach dem Abgang  Prof.  Janßens  aus der KAV-GD werden erwartungsgemäß Spekulationen über die optimale Nachfolge  im Stundentakt entstehen.

Wir, die Freie Ärzteplattform, halten von einem bloßen personellen Austausch wenig, es bedarf vielmehr einer breiteren  Änderung im Management.

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Unser Vorschlag:

  1. Das gesamte operative Management geht wieder zurück an die Krankenhäuser, ebenso die Personalhoheit. Damit ist beispielsweise die Planung auf eine Grippewelle primär Sache des Hauses.
  2. In der GD verbleiben strategisches Management, Finanzcontrolling und Bauherrenaufsicht.
  3. Der Bereichsleitung Finanz wird die Budgethoheit über den KAV entzogen.
  4. Eine Auslagerung des KAV erscheint aus drei Gründen wenig: empfehlenswert: a) ist noch nie ein derart großes Unternehmen ausgegliedert worden b) ist der Magistrat sowieso schon teilautonom c) wären die Auflagen der Arbeitsinspektion nahezu unlösbar.
  5. Die ärztlichen Direktoren werden nicht mehr vom KAV ernannt, sondern von den Primarii und  Vertretern des Mittelbaus gewählt – als Ausdruck der Selbstverwaltung, die zweifellos besser mit lokalen Problemen umgehen kann.

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Günter Koderhold

 

Auf Udo Janssen folgt interimistisch der fanatische ELGA -Befürworter Prof.Michael Binder

Pressezitat: „Wie erwartet, muss  KAV-Chef Udo Janßen gehen – das gegenseitige Vertrauen sei verloren gegangen, alle Entscheidungsträger müssten an einem Strang ziehen, hieß es am Montag. Die ärztlichen Agenden wird Health Cara Management-Leiter Michael Binder übernehmen, so Frauenberger.
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Janßen wurde kurz vor dem Termin am Montag über die Entscheidung informiert. Er ist mit sofortiger Wirkung freigestellt, hieß es im Rathaus. Die Details der Vertragsauflösung sind offen. Interimistisch werden Janßens Stellenvertreter – Evelyn Kölldorfer-Leitgeb und Thomas Balazs – gemeinsam mit Michael Binder die KAV-Leitung übernehmen.“, etc,etc…

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Was steht nicht in den Medien?

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Nun, Prof.Michael Binder ist wohl einer der fanatischsten Befürworter der digitalen Patientenakte ELGA, wobei er die Sekundärnutzung klinischer Daten für andere Zwecke als die unmittelbare Patientenversorgung  wiederholt betont und hervorhebt!

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Eine bedenkliche Variante der Sekundärnutzung ist  die ungefragte Einbindung aller Spitalsdaten in ein Suchprogramm für Klinische Studien.

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facit: sollte nach Ablauf der interimistischen Vertretung Prof.Binder die Agenden dauernd übernehmen, ist höchste Vorsicht bezüglich Datenschutz bei digitalen klinischen Informationen  angebracht.

Günter Koderhold

 

 

ASKLEPIOS ist weder eine Gewerkschaft noch kollektivertragsfähig, siehe OGH-Spruch 6 Ob 116/16a

Heute, im Morgenjournal vom 11.März 2017 wurde die „Ärztegewerkschaft“ Asklepios erwähnt, und einer ihrer Gründer, Dr.Rainer interviewt.

Dazu muss man wissen, dass Asklepios im Rahmen einer Entscheidungkette (Ablehnung durch Bundeseinigungsamt, Klage gegen die Hauptgruppe II und zuletzt der OGH Spruch 6 Ob 116/16a) weder als  Gewerkschaft zu betrachten ist, noch über die Kollektivvertragsfähigkeit verfügt.

Dies wäre praktisch bedeutungslos, wenn nicht Asklepios unter der Bezeichnung „Ärztegewerkschaft“  seit ca drei Jahren  hohe Mitgliedsbeiträge (ca. 300.- pro Jahr)  einhebt, was bei 1800 Mitgliedern österreichweit (laut Presse 2015), über drei Jahre eine beachtliche  Gesamtsumme ergibt. Diese Beiträge dürften für die zahlenden Mitglieder auch vor dem Finanzamt anderes angerechnet werden als gebräuchliche Gewerkschaftsbeiträge.

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Man muss annehmen, dass Asklepios über die  weitaus höchsten Geldmittel aller kandidierenden Fraktionen verfügt.

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Die Freie Ärzteplattform wird sich für eine Offenlegung und Limitierung der Wahlkampfkosten einsetzen, damit es keine Verzerrungen geben kann.

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Ärztegewerkschaft Asklepios OGH Spruch

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Günter Koderhold

p.s. wir zahlen uns unseren Wahlkampf komplett aus eigener Tasche.

Ab 2030 werden auch Sie am Gang liegen !

Auch die Daseinsvorsorge wird  bei  Ärztinnen und  Ärzten  abstürzen:  die Ärzteschaft besteht natürlich zu 100% auch aus  möglichen Patienten und zukünftigen Pfleglingen – das wird gerne und oft verdrängt.

Die  funktionierende  Allianz von neoliberalem  und sozialistischem Denken  in  der Gesundheitsversorgung führt erst zur Entmündigung der medizinischen Berufe, danach zur baldigen  Selbsterfahrung von extremen Wartezeiten, Pflegeregress,  Mehrklassenmedizin, Abhängigkeit, etc..

Wer glaubt, als Teil der Ärzteschaft bei  Alter und Krankheit privilegiert zu sein, wird womöglich ernüchtert aufwachen. Die früher gelebte Kollegialität ist durch  jahrzehntelange Einschüchterung  einer Überlebensegozentrik gewichen – die Angst isst die Seele auf, heißt es in einem Film.

Die von der Gesundheitspolitik dreist unterstützte  Gesundheitsindustrie, Siemens ist ein Glanzbeispiel,   greift tief in die Taschen des Staates und wer sich etwas erarbeitet hat, muss später bei Langzeitpflege mit Enteignung rechnen.

Der Pflegeregress ist zum Ungeheuer geworden, dass je nach politischer Grundmelodie in Österreich mal über alle Generationen enteignet (wie früher in der Steiermark) oder sich nur an den Besitzenden selber bereichert.

Die Langzeitpflege ist auf dem Weg, zum schmutzigsten Geschäft in Friedenszeiten zu werden.

Bei einem Maximalsteuersatz von 70 % inkl MwSt.(!) , ist der Gedanke an Pflegeversicherung oder Pflegeregress eigentlich eine Unverschämtheit.

Ab 2018 beginnt der tatsächliche Ärztemangel – jetzt haben wir eher Verteilungsprobleme –  die Pensionierungswelle rollt immer höher über Österreich hinweg.

Und wir können für uns und  unsere Angehörigen einen Platz im Gangbett  und vier Stunden Wartezeit in der Notfallambulanz  erwarten.

Es gibt nur eine Alternative: entschlossener   Kampf mit allen Mitteln gegen eine kalte, totalitäre Gesundheitswirtschaftnicht nur für die Patienten, sondern auch für uns !

 

Günter Koderhold,   Freie Ärzteplattform

 

 

 

Turnusärzte schlafen im Büro, bei undichtem Fenster, das Waschbecken über der Mülltonne

………..Lieber YYYYY

Leider sind die fotos ein bisserl unscharf.

meine dienstzimmer waren nicht so schlimm, das einzige auf der zweiten med, wo man neben den spinden geschlafen hat und das ein etwas undichtes fenster hatte. schlimm find ich eher das bad auf dem uro/gyn trakt und die ansicht des radiologiegebäudes von der derma aus.

lg XXXXX………………

 

20150331_153934

Turnusärztinnen und -ärzte bekommen nicht nur weniger Kleidung zum wechseln, zwei statt drei Garnituren pro Woche (schwitzen TÄ weniger ?) , sie werden auch immer noch wie Lehrlinge aus der Nachkriegszeit behandelt…

Anbei vier Fotos als „Sittenbilder“ – was mich erschüttert, ist die Meinung, dass es eh nicht so schlecht ist..

 

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DiZi_Sessel

Einrichtung für Turnusarzt-Dienstzimmer: man beachte den durchgebrochenen Sessel und die Flecken an der Wand.

 

(leider können wir wegen des hohen Speicherbedarfes nicht alle Fotos, die wir bekommen, hier im Blog speichern)

.Turuarztdizi_fenster

Blick aus einem Dienstzimmer für Turnusärzte: man beachte die einzigartige Verarbeitung der Holzrahmen.

 

facit:

mehr als die Hälfte der Jungärzte verlässt Österreich – wundert das noch jemanden?

Für die hochnäsige  Spitalsbürokratie sind Turnusärzte  eine Gruppe, die man problemlos vernachlässigen darf – desolate, zynische Dienstzimmer, zugige Fenster, etcc…. und jetzt noch die synthetische „Lumpenkleidung“ als Dienstkleidung  (siehe vorigen Artikel)

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Günter Koderhold

P.S.

SCHICKT UNS BITTE WEITERE FOTOS!

WIR HABEN VOR, EINEN BILDBAND DARAUS ZU MACHEN UND AN SIEMENS DEUTSCHLAND ZU SCHICKEN!

 

Die seit Jahrzehnten übliche Berufskleidung im Spital wird durch kontingentierte, minderwertige Textilien ersetzt.

Im Krankenhausbereich steht eine tiefgreifende Änderung der Bekleidungsvorschriften vor Vollendung.

Die Minderwertigkeit der neuen Textilien, der eklatante Mangel an Reinigung mit „Dauerflecken“ und die von der Exposition unabhängige Kontingentierung werden zu einem Kernproblem und lassen mangelnde Kenntnisse bei  Richtlinien und Gesetzen seitens des Arbeitgebers vermuten.

Allerdings darf der Usus, unter dem weißen Ärztemantel Privatkleidung zu tragen, die üblichen Hygieneerwartungen nicht entsprechen kann, auch nicht verschwiegen werden.

Ich erlaube mir zunächst den Unterschied zwischen Berufskleidung zur Arbeitskleidung anzuführen, wobei man den Einfluß  der Amtstracht früherer Jahrhunderte nicht vergessen möge:

 

Berufskleidung: bietet Schutz vor Gefahren, z.B. Kontamination, ist den Anforderungen der Arbeit geschuldet und  ordnet den Träger eindeutig einer Berufsgruppe zu. Der Übergang zur Amtstracht ist durchaus fließend. Berufskleidung dient dem Schutz und der Identifikation 

Dienstkleidung: uniformierte Arbeitskleidung – diese  dient dem Schutz der Patienten und der Mitarbeiter.Die Vorschriften zur Kleiderordnung stellen immer einen Eingriff in die Rechte der Arbeitnehmer dar. Will der Arbeitgeber hier bestimmen, muss er seine Interessen mit denen der Arbeitnehmer genau abwägen.

Kombination von Berufskleidung mit Privatkleidung: kann am ehesten noch als   Amtstracht interpretiert werden, kann im allgemeinen den hygienischen Richtlinien nicht genüge tun.

Bereichskleidung: unterscheidet sich durch farbliche Trennung von der Dienstkleidung und ist ausschließlich im jeweiligen Bereich zu tragen.

Grundsätzlich gilt die Notwendigkeit den täglichen Wechsel, bzw einen sofortigen nach Kontamination dem Dienstnehmer anzubieten (Dienstkleiderordnung, Richtlinie: 0010.3215)

Eine Kontingentierung auf zwei bis drei Garnituren pro Wochen erzwingt de facto die Reinigung der kontaminierten Dienstkleidung am Wohnort des DN und ist schärfsten abzulehnen. Ein Dienstgeber, der durch kontingentierte Dienstkleidung dies erzwingt, handelt grob fahrlässig.

Der schnelle  Zugang zum Kleidungswechsel nach Kontamination hat vom Dienstgeber gestellt zu werden, da sonst eine Verschleppung gefährlicher Keime gefördert wird. Ein Dienstgeber, der durch weit vom Arbeitsort liegende Wäscheausgabe den Kleidungswechsel nach Kontamination erschwert, handelt grob fahrlässig.

 

Dienstkleidung_neu

(dünnes, der Haut anliegendes Synthetikgewebe, das sich bei gefüllten Taschen sofort verzieht)

 

Facit:

a)  eine kontingentierte Dienstkleidung mit erschwertem Zugang zum Wechsel derselben, widerspricht  jeder  hygienischen Dienstkleiderordnungrichtlinie. (Dienstkleidung ist u.U. täglich bzw. nach Kontamination sofort zu wechseln).

b) Vorschriften zur Kleiderordnung stellen immer einen Eingriff in die Rechte der Arbeitnehmer dar und werden im Rahmen von Betriebsvereinbarungen definiert.  Als ungewöhnlich hässlich und umkomfortabel empfundene verordnete Arbeitskleidung kann als schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der AN interpretiert werden.

c) Im Sinne eines funktionierenden Krisenmanagements ist die schnelle und eindeutige Berufszuordnung unverzichtbar, wobei dies nicht für eine  Kombination von Berufs- und Privatkleidung gilt.

 

 

Günter Koderhold

RETTUNGSDIENST ERWARTUNGSGEMÄSS ZUSAMMENGEBROCHEN

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Insiderinfo: „…….zu den Rettungsdiensten habe ich auch (Bild) Material: fachlich unzureichend, Transportverletzungen. Die Zivis vielfach besser als die Sanitäter. Nichteinhalten der Hygienevorschriften. Unhaltbare Wartezeiten vor allem bei Liegendtransporten. Nicht nur jetzt, sondern schon vor einigen Jahren. Derzeit Wartezeiten von 3 Stunden „normal“. Organisatorisch kein Unterschied zw. schwerkranken, enteral ernährten Patienten mit DK (die folglich schwere Harnwegsinfekte bekommen) und Patienten, die sitzen, essen, trinken können.

Berufsrettung: Personalmangel bei Notärzten+Sanis. Sanitäter machen immer weniger Erstversorgung, sondern beschränken sich aufs Transportieren. Gottwald keine Führungspersönlichkeit. Turbulentes Privatleben, das auch die Arbeit tangiert….“

 

Der katastrophalen Unterstand der Wiener Rettung an Notärzten war vorhersehbar – die gefährlichen Situationen wurden stillgeschwiegen.

Wo war die Leitung der Wiener Rettung ? Auf Abenteuerurlaub ?

Ein Gesundheitsökonom als Chef der Wiener Rettung  ! Was lernen wir daraus?

Man muss dem ausgelaugten verbleibendem Personal an Notärzten und Sanitätern dafür danken, dass sie unter diesen erschreckenden Umständen noch retten, was zu retten ist.

Und wieder einmal fällt die Wiener Patientenanwältin Dr.Pilz durch lebensfremde Äußerungen auf. Sie spricht sich klar für eine Herabstufung der Qualität aus und möchte heikle Situationen primär an billige Rettungssanitäter delegieren. Die Pflegeberufe lehnen diese Zusatzausbildung aber längst vehement ab, da die die Bezahlung im Verhältnis zu Ausbildung und Risiko jämmerlich ist.

Das angloamerikanische „Vorbild“ ist schon längst  ein abschreckendes, für einen Musiklehrer der es hier zum Innenminister gebracht hat,  aber eine Begeisterung wert.!

Die österreichische Unsitte  in sensible medizinische Sachbereiche unwissende „Führungskräfte“ zu positionieren, die nicht einmal über Basics verfügen – siehe der Förster als Gesundheitslandesrat, der Schlosser als Gesundheitsminister, etc,etc..muss energisch zurückgewiesen werden.

Hubert Hrabcik