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Abgehobene Kapriolen im Gesundheitsbereich

Prof.Hrabcik
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KAPRIOLEN IM GESUNDHEITSBEREICH

Verfolgt man aufmerksam in den letzten Wochen die Medien, so fällt es schwer, als Angehöriger eines Gesundheitsberufes ruhig zu bleiben.

Warum? Es wird immer mehr klar, dass eine Allianz von Juristen und Ökonomen versucht, den Gesundheitsbereich unter ihre Macht zu bringen und anzuschaffen. Natürlich ohne jedwedes Fachwissen.

Die notwendige Allianz zwischen Ärzten und anderen Angehörigen des Gesundheitsbereiches und dem Verwaltungsbereich wird immer weniger.

Dabei haben die selbsternannten Experten, die meist keine sind, genügend Flops in den letzten Jahren geliefert, die nun mehr und mehr an das Licht kommen.

Beispiele:

Groß angekündigt war die Wiener Spitalsreform 2030. Mit einer wahllosen Zerschlagung von bisher funktionierenden Schwerpunktspitälern wollte man eine neue Struktur, die dann angeblich die Bedürfnisse der Bevölkerung besser abdecken kann, schaffen. Und nun, nach dem ruhmlosen Abgang der früheren Stadträtin stellt sich laut Aussendungen des KAV heraus, dass einige der Übersiedlungen oder Zusammenlegungen von Abteilungen überhaupt nicht möglich sind, weil der benötigte Raumbedarf in den neuen Häusern fehlt. Ein Armutszeugnis.

 

Nachdem nun die Stadträtin und der Generaldirektor in die Wüste geschickt wurden, tritt die zweite Garnitur an. Die alles besser machen wird? Wo waren denn diese Damen und Herren, als derlei Planungsunsinn kreiert wurde. Waren die nicht mit dabei und haben dazu brav genickt? Es muss nun gelten, im Augiasstall KAV alles auszumisten, schonungslos.

Der KAV verteidigt in einer Aussendung, dass ein Honorar von 30.000€  pro Tag für externe Experten angebracht sei, weil man habe ja angeblich 110 Mill. Euro eingespart.

Nun, die Expertenarbeit wird sicher nicht in einem Tag erledigt gewesen sein. Das wird schon 1-2 Monate gedauert haben. Das wären dann 900.000 Euro pro Monat. Nicht schlecht!

Die AUVA hat nachweislich durch einige Wochenenden die Aufnahme von Notfallpatienten in das LBK auf die Intensivstation verhindert. Auch mit Dienstanweisungen gedroht. Angeblich haben daher einige Pateinten einen Rundflug gemacht, bis sie endlich versorgt werden konnten. Haben Sie da vom Land als Aufsichtsbehörde ein sofortiges Einschreiten gemerkt. Nichts ist passiert. Es wird zu untersuchen sein, ob hier Patienten nicht durch Verzögerungen zu Schaden kamen. Aber man hat Geld an abgebauten Diensten gespart.

 

Mein Lieblingsthema, weil einige Patienten das an mich herantrugen, ist die den Gebietskrankenkassenversicherten verweigerte Bezahlung der Hepatitis C Behandlung. Außerhalb jeder Diskussion steht, dass ein Medikament zur Verfügung steht, dass eine über 90%ige Heilung bei frühzeitigem Einsatz erreichen kann. Aber wer zahlt? Prof.Ferenci hat jüngst auf einem Kongress in Linz diese Situation beklagt. Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt erst dann die Behandlung, wenn bereits das Fibrosestadium II erreicht ist. Damit sinken die Erfolgschancen. Wem’s nicht passt, kann sich die Therapie ja selbst zahlen. Zweiklassenmedizin pur.

Richtig ist, dass die Preisgestaltung der Pharmafirma exorbitant hoch ist. aber dies darf man nicht auf dem Rücken der Patienten austragen. Hier wären der Hauptverband und vor allem das Gesundheitsministerium als Aufsichtsbehörde gefordert. Haben Sie etwas gehört? Es sind ja nur Bürger und Kranke, die da über die Klinge springen.

Und die Justiz, die ja gegenüber Ärzten schnell bei der Hand. Die hat Sommerpause.

 

Hinter all diesen Entwicklungen steckt ein System. Man will derzeit mit aller Gewalt die den Bürgern in den Sozialversicherungsgesetzen verbrieften Rechte ändern.

Ärzte und Gesundheitsberufe sollen zu Erfüllungsgehilfen degradiert werden. Die Chefs sind dann Parteibonzen, selbst ernannte Experten aus dem Kreis der Juristen und Ökonomen. All dies geschieht mit der stillen Hoffnung, dass sich die Bevölkerung schon an diese Demontage im Gesundheitsbereich gewöhnen wird. Und aus Angst, Nachteile bei aufmüpfigem Verhalten zu erleiden, einfach schweigt.

Man wird daher in Anbetracht der kommenden Nationalratswahl lesen müssen, wer von den wahlwerbenden Gruppen hier dieses Chaossystem weiter betreiben will und wer vor allem im System echte Reformen, die Versorgungsverbesserungen darstellen, anstrebt.

Euer Hubert Hrabcik