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PATIENTEN DER ZUKUNFT UND ÄRZTE DER VERGANGENHEIT?

Dr. G. M. Schenk

Medizinische Informationen aus dem Internet finden im Zeitalter der Telekommunikation zunehmend an Bedeutung.

Die Statistik über die Nutzung der Information  und Kommunikations-technologie 2017 zeigte laut Statistik Austria, dass 81% aller 16-74-jährigen im Internet aktiv sind. Das Suchen von Information über Waren und Dienstleistungen ist weit verbreitet. Auch Artikel in verschiedenen kommerziellen Zeitschriften werden gerne gelesen.

Patienten können dadurch gut über ihre Erkrankung informiert sein, andererseits aber auch zu falschen Schlussfolgerungen und Entscheidungen gebracht werden.

 

Wo liegt die Gefahr?

Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, wie es in den Artikeln 27 ff des Zivilgesetzbuches steht, ist für Ärzte bindend. Diese Selbstbestimmung ist mit Entscheidungsfreiheit, nicht aber unbedingt mit Mündigkeit, verbunden.

Auf der anderen Seite ist für Ärzte die Sorgfaltspflicht bei der Patientenbetreuung oberstes Gebot und Grundlage für jede medizinische Intervention. Sie müssen nach ihren Qualitätskriterien, welche auf internationale Studien und Leitlinien beruhen, handeln.

So mancher Patient ist enttäuscht, wenn ihm nicht die Therapie, die er durch die Informationen aus dem Internet erwartet hat, angeboten wird. Oft sollte auch der Zeitrahmen seiner Behandlung mit seinen Vorinfomationen konform gehen. Andere Patienten sind mit der zunehmenden Informationsflut überfordert und dadurch verunsichert.

Wie schaffen wir mit solchen Entwicklungen den medizinischen

‚best point of service‘?

 

Informierte Patienten, die mit den Richtlinien einer qualitativ guten Behandlung vertraut sind, wären ideal. Diese Patienten kann es jedoch nicht ohne Arzt geben (Kampits, P. (1996) Das dialogische Prinzip in der Arzt-Patienten-Beziehung). Erkrankungen und medizinische Eingriffe können mit  Veränderungen in der Existenz verbunden sein. Im Extremfall kann es um Leben und Tod gehen.

Das Gefühl des ´ausgeliefert seins´, des Kontrollverlustes durch die Erkrankung wird möglicherweise durch eine alleinige Bestimmtheit von ´Halbgöttern in Weiß´ verstärkt. Dem wollen sich mehr und mehr Patienten durch Zusatzinformationen entziehen.

 

Um die Hilflosigkeit der Patienten nicht durch Fehlinterpretationen oder Unverständnis ihrer eingeholten Fakten zu verstärken, sollten wir handeln.

Die Literatur aus dem Internet, Artikel von kommerziellen Zeitschriften oder die etwas andere Art der Erkrankung im Vergleich zu Bekannten und Verwandten sollten von Ärzten ernst genommen und besprochen werden.

 

Die Beratung im Krankenhaus ist blockiert durch hohes Arbeitspensum. Der klassische Hausarzt mit Kassenvertrag ist in den Ordinationszeiten mit einer Flut von Patienten konfrontiert.

Zeit ist Mangelware.

Damit kann ein teilinformierter, selbstbestimmender und kritischer Patient im Spital oder in der Kassenpraxis zeitraubend wirken.

Wahlärzte bieten Zeit.

Dass Patienten diese brauchen, zeigen uns steigende Patientenzahlen der Wahlärzte.

 

Arztbetreute Teleinformation ist in Österreich nicht verfügbar.

Aufgrund bedeutender Abwanderung in andere Länder fehlt es immer mehr an ärztlichem Nachwuchs.

 

Hier könnte aber das Wissen unserer alten Mediziner sehr hilfreich sein: Pensionierte Ärzte sind auf diesem Gebiet eine unausgeschöpfte Ressource. Besonders pensionierte Chirurgen, Onkologen und Kollegen mit Erfahrung bei endoskopischen Eingriffen wären hilfreich, würden sie Aufklärungsgespräche durchführen dürfen.

 

Der Zeitrahmen für Patienten könnte mangels anderer dringender Verpflichtungen besser und mit Ruhe ausgeschöpft werden.

Patienten könnten fachlich korrekt und dem persönlichen Krankheitsbild entsprechend informiert werden. Verunsicherungen und falsche Erwartungen könnten vermieden werden.

Ärzte, die mit 65 Jahren in Pension gehen müssen, könnten bis zum 70. Lebensjahr unterstützend wirken.

Warum nützen wir dieses ‚win-win-System‘ nicht?

 

 

ARBEITSZEIT IST LEBENSZEIT

KAPITEL

              ARBEITSZEIT IST LEBENSZEIT

1.

Welche  Arbeitszeiten wollen – können – brauchen wir?     WAS ERWARTET UNS ?

( OA. Dr. G. Schenk )   

Arbeitszeitplanungen können ausschliesslich in Übereinkunft zwischen Dienstgeber-in und Dienstnehmer – in erfolgen. Gute Verhandlungen sollten keinen Vertragspartner übervorteilen.    Aber was ist für einzelne Arbeitnehmer sinnvoll, was nicht. Wo müssen wir, wo wollen wir? Was ist für unsere Lebensqualität bedeutend?   Betrachten wir einige

Varianten der Arbeitszeit beim KAV:

  1. Fixe Arbeitszeiten bis 2015
  2. Wechsel – Schichtarbeit
  3. Flexible Zeiteinteilungen, geplant 2 Monate im Vorfeld

Wo bestehen die Vor – und Nachteile?

  1. Fixe Arbeitszeiten

Bis 2015 war im KAV für Vollzeittätige die fixe Arbeitszeit –tgl. 8h-13h, bei 4-6 Nachtdiensten gängige Dienstzeit.                                                        Ein fixes Regime war:

Einerseits berechenbar, Ärzte mit Ordinationen konnten die Zeit im Vorfeld gut planen. Die Familie wurde konstant versorgt. Auch die Eltern und Großeltern konnten kalkulierbar betreut werden.

Andererseits war die Freizeit auf den Nachmittag begrenzt. Wenn Amtswege nötig waren oder Handwerker im Haus, musste oft ein Urlaubstag konsumiert werden.              

2. Wechselschichtarbeit

Definition: Unter dem Arbeits(zeit)modell der Schichtarbeit wird die Aufteilung der betrieblichen Arbeitszeit in mehrere Zeitabschnitte mit versetzten Anfangszeiten beziehungsweise unterschiedlicher Lage sowie unter Umständen unterschiedlicher Dauer verstanden.

Das Arbeiten in ´Schichten´ wurde durch die Arbeitszeitregelung 2015 / 2016 an verschiedenen Abteilungen erforderlich. Das gewährleistete die Anwesenheit von ausreichend Ärzt ( – inn ) en im Krankenhaus, um den Betrieb sicherzustellen. Durch die erforderliche Patientenversorgung nachts entstand teilweise ein ausgeprägter ´Wechsel´ der Dienstzeit von vormittag – nachmittag – nachts.

Vorteile: Längere Freizeitblöcke und die bequeme Erledigung von Amts- und Arztwegen wurden möglich.

Nachteile: Erschwertes Familien- und Sozialleben durch unregelmäßige Arbeitsrhythmen.

Besonders wenn Kinderbetreuung oder Versorgung älterer Angehöriger erforderlich ist, kann dieser ständige Dienstwechsel Nachteile bringen.


3. Flexible Arbeitszeiten

Seit Einführung der 40h – Woche in Krankenanstalten wurde an einigen Abteilungen auch eine flexible Arbeitszeit eingebracht.     Aus wirtschaftlicher Sicht durchaus begründbar:                                    Wie die WKÖ- Wirtschaftskammer Österreich in ihrer Webseite aufzeigt, setzen schon jetzt viele Unternehmen auf flexible Arbeitszeitgestaltung, um dadurch ihr Arbeitszeitvolumen besser an die Auftragslage anpassen zu können, teure Steh- und Leerzeiten zu reduzieren ( www.wkö.at ). Flexible Arbeitszeiten sind umso weiter verbreitet, je fortschrittlicher eine Volkswirtschaft ist. Spitzenreiter sind Finnland, Dänemark und Schweden, wo über 80 % der Unternehmen mit mehr als 9 MitarbeiterInnen flexible Arbeitszeiten praktizieren (Quelle: European Company Survey 2013).

Flexibilisierung steht besonders in medizinischen Berufen Grenzen entgegen:                                                                                                                                 Es müssen genügend Ärzte vorort sein – vormittags, nachmittags, nachts. Die täglichen Patientenkontakte können erheblich variieren ( z.B. Grippezeit ).

  • RESÜMEE                                                                                                                         Die neue Dienstzeitregelung mit Arbeitsstundenreduktion für Ärzte bringt erhebliche Lücken in der Patientenversorgung.  Das Geld für zusätzliches Personal scheint nicht vorhanden zu sein.  Hier kann  die Flexibilisierung von Arbeitszeiten   betriebliche Einsparungen bringen.   Deshalb ist zu erwarten, dass angestellte Ärzte zunehmend in diese Dienstform einbezogen werden. Das kann Vor – und Nachteile für den Arbeitnehmer bringen.

Deshalb:  im Rahmen von Flexibilisierungen sollten ArbeitnehmerInnen bzw. BetriebsrätInnen Arbeitsmodelle vereinbaren, die sowohl auf betriebliche wie auch persönliche Rahmenbedingungen bestmöglich eingehen.                                   

DIE VERHANDLUNGEN unserer Gewerkschaft und KAMMER mit dem Dienstgeber sind in nächsten Monaten und Jahren von besonderer Bedeutung.

Was ist hier wünschenswertwas kann die  Zufriedenheit am Arbeitsplatz fördern?                                              

Möglichst viel Freiraum in der Gestaltung des Arbeitsalltags für den / die Arbeitnehmer , um persönliche Situationen variabel berücksichtigen zu können.             

 Damit wären auch Frauen  mit flexiblen Arbeitszeiten nicht benachteiligt.                                                                                                                 

G.M. Schenk

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