WHO: Public Health News Germany July 2018

Prof.Hrabcik

Public Health News Germany July 2018 – Achtung: langer Artikel

 

Die langwierigen Verhandlungen in Deutschland, die erst nach Monaten zu einer funktionsfähigen Regierung führten, lösten einen Stillstand in allen politischen Bereichen, so auch in der Gesundheitspolitik aus.

Erst im heurigen Frühjahr begannen Aktivitäten des neuen Gesundheitsministers Dr. Spahn anzulaufen.

Einen wichtigen Part dabei nimmt dabei der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen ein. Dieses Gremium gibt es an sich seit 1985. Seine Zusammensetzung ist wie folgt:

 

Mitglieder des Sachverständigenrates

Vorsitzender Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach Johann Wolfgang Goethe-Universität Institut für Allgemeinmedizin

Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main

E-mail: gerlach@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

Stellv. Vorsitzender Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Wille Emeritus Universität Mannheim

Abteilung Volkswirtschaftslehre

L7, 3-5 68131 Mannheim

E-mail: wille@uni-mannheim.de

Mitglieder

Prof. Dr. rer. pol. Wolfgang Greiner Universität Bielefeld

Fakultät für Gesundheitswissenschaften/AG 5

School of Public Health – WHO Collaborating Center

Postfach 10 01 31, 33501 Bielefeld

E-Mail: wolfgang.greiner@uni-bielefeld.de

Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Medizinische Fakultät 2

Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

Magdeburger Straße 8, 06112 Halle (Saale)

E-Mail: gabriele.meyer@medizin.uni-halle.de

Prof. Dr. med. Marion Haubitz

Medizinische Hochschule Hannover

Zentrum Innere Medizin

30623 Hannover

und:

Klinikum Fulda gAG

Medizinische Klinik III (Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen)

Pacellialle 4, 36043 Fulda

E-Mail: marion.haubitz@klinikum-fulda.de

Prof. Dr. med. Petra A. Thürmann

Universität Witten/Herdecke

Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie

58448 Witten

und:

Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie

HELIOS Klinikum Wuppertal

Heusnerstr. 40, 42285 Wuppertal

E-Mail: petra.thuermann@helios-kliniken.de

Prof. Dr. rer. oec. Jonas Schreyögg

Universität Hamburg

Hamburg Center for Health Economics

Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen

Esplanade 36, 20354 Hamburg 3

E-Mail: jonas.schreyoegg@uni-hamburg.de

 

 

Aufgaben dieses Sachverständigenrates: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat die Aufgabe, im Abstand von zwei Jahren Gutachten zu erstellen und in diesem Rahmen die Entwicklung in der gesundheitlichen Versorgung mit ihren medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu analysieren, unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen und vorhandenen Wirtschaftlichkeitsreserven Prioritäten für den Abbau von Versorgungsdefiziten und bestehenden Überversorgungen zu entwickeln, Vorschläge für medizinische und ökonomische Orientierungsdaten vorzulegen, sowie Möglichkeiten und Wege zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens aufzuzeigen.

Die Liste der bisher 16 erstellten Gutachten ist über folgenden Link einsehbar, wobei es zum Teil eine englisch-Version gibt: https://www.svr-gesundheit.de/index.php?id=6

Der jeweilige Gesundheitsminister bedient sich gerne dieser Expertise, besonders wenn es um Reformen geht:

Am Mittwoch 18.7. berät die deutsche Bundesregierung über den Einsatz künstlicher Intelligenz in Gesundheitsfragen. Ein Masterplan soll erstellt werden. Selbstlernende Algorithmen und Maschinen sollen in der Medizin unterstützend tätig werden. Dazu soll eine stattliche Förderung den Start in diesen wichtigen Zukunftsbereich massiv unterstützen , Verbesserung der Versorgungssituation-Beseitigung von Über,-Unter und Fehlversorgung

Am 16.7. übergab der Vorsitzende des Sachverständigenrates Gerlach an den Gesundheitsminister ein Gutachten:

 Wichtige Punkte in Schlagworten dabei: zur Verbesserung der Versorgung durch Ärzte am Land wird ein Landarztzuschlag zu den bisherigen Honoraren gefordert (bis zu 50%).Kassenverträge sollten nur auf 30Jahre vergeben weren, um eine entsprechende Flexibilität zu haben.

Einführung einer Pönale=Kontaktgebühr bei Aufsuchen eines Facharztes ohne Zuweisung durch den Allgemeinmediziner/Hausarzt. Damit Vermeidung unnötiger Arztkontakte und mehr Zeit für den „echt Kranken“

 Gezielte Steuerung des Patienten durch ein Hausarztmodell. Bindung an den Hausarzt, der als Gatekeeper den Patienten durch das System lotst. Dafür ein begünstigter Tarif für den Versicherten!

 Versorgung aus einer Hand durch bessere Abstimmung von Spitälern und niedergelassenen Ärzten bei bestimmten Patientengruppen wie in der Psychiatrie oder bei Rückenschmerzen

Reform der Notfallversorgung: Um zu verhindern, dass die Notfallambulanzen der Spitäler ständig überlaufen sind, wobei nur ein geringer Prozentsatz dort richtig ist, sollten regionale Leitstellen geschaffen werden. Der Patient ruft dort an und in Kenntnis seiner Angaben wird der jeweils beste Versorgungspfad eingeleitet. Das kann vom Notarztwagen über eine Visite eines Bereitschaftsarztes oder Besuch eines Pflegers reichen. Viele Fälle könnten aber auch durch telefonische Beratung schon gelöst werden. Gehfähigen Patienten kann ein Termin in einer nahen Praxis vermittelt werden.

Pflegenotstand in D-

Der Gesundheitsminister fordert hier erstens eine deutliche Verbesserung der Bezahlung von Pflegekräften. Er spricht von etwa 13000 fehlenden Pflegekräften. Durch mehr Gehalt, bessere Infrastrukturen und auch Anwerbung aus dem Ausland will er die Lücke füllen Er stellt fest, dass die Pflege der Gesellschaft etwas wert sein müsse und hält einen Lohn von 2500-3000€für angebracht.

Durch Strukturgesetze will man die Betreiber von Pflegeeinrichtungen in die Pflicht nehmen.

Derzeit kann man die Situation kennzeichnen durch Schlechte Bezahlung-Hohe Belastung- wenig Anerkennung

Die Jugend muss wieder Interesse an der Pflege bekommen.

Digitalisierung in der Medizin

Jens Spahn hat viel vor: Längere Öffnungszeiten bei Kassenärzten, Pflegeberufe attraktiver machen, Digitalisierung im Gesundheitswesen beschleunigen und einiges mehr.

Durch die Digitalisierung will man die Zusammenarbeit verbessern zwischen den verschiedenen Playern, Abläufe beschleunigen, Doppelbefunde verhindern.

Soziale Ungleichheit wirkt auf die Gesundheit negativ

Das Robert Koch Institut stellte fest, dass Bevölkerungsgruppen, deren Jahreseinkommen unter 60% des Durchschnittseinkommens liegt, eine um 11 Jahre geringere Lebenserwartung haben.

„Das Risiko für chronische Erkrankungen und Depressionen ist um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus sind zwei- bis dreimal häufiger verhaltensauffällig, übergewichtig und gesundheitlich beeinträchtigt. Im Alter sind sozial Benachteiligte wiederum doppelt so häufig in ihrer Alltagsgestaltung eingeschränkt wie Menschen mit hohem Sozialstatus. Aber: Gesundheitliche Ungleichheit findet sich auch beim Vergleich der mittleren mit der niedrigsten oder höchsten Statusgruppe und ist damit in der gesamten Breite unserer Gesellschaft wirksam. Gesundheit ist demnach ein soziales „Produkt“.

Als entscheidenden Trigger für gesundheitliche Ungleichheit hat der britische Epidemiologe Richard Wilkinson bereits 1996 die Einkommensverteilung identifiziert. Auch bei diesem Indikator belegt Deutschland hinter Luxemburg und Ungarn nur einen Mittelfeldplatz in Europa. Gesundheitspolitischer Anspruch trifft hier auf gesellschaftliche Realität.“

Abschließend sei auf das Gutachten 2018 des Sachverständigenrates hingewiesen, dass in mehreren Regional Konferenzen mit den Ländern im Herbst diskutiert wird.

https://www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2018/SVR-Gutachten_2018_WEBSEITE.pdf

Public Health News Schweiz 2018

Interessante Aspekte zum Jahr 2018ergeben sich aus Interviews mit Spitzenexponenten des Gesundheitswesens:

Klare Änderung der Einstellung unserer Bürger: Insofern, dass sich die Bewohner der Schweiz künftig aktiver um die eigene Gesundheit kümmern und die Vorsorge selber in die Hand nehmen. Damit diese aktiv über Sinn und Unsinn von Vorsorgeaktionen und Therapien entscheiden können, braucht es Ärzte und Apotheker, die ihnen beratend zur Seite stehen! (Der Präsident der Zuger Apotherkammer)

Fortschritte auch im Bereich E-Health

Eine vordringliche Aufgabe im kommenden Jahr wird für alle Beteiligten die Eindämmung der Kosten unter Beibehaltung der hohen Qualität im Gesundheitswesen sein. Es gilt, die medizinisch nicht begründbaren, überflüssigen Leistungen zu reduzieren und die Effizienz in der Leistungserbringung und bei der Kontrolltätigkeit durch die Krankenversicherer zu steigern. Fortschritte werden wir auch im Bereich E-Health verzeichnen können, wo wir das elektronische Patientendossier vorantreiben. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die koordinierte Versorgung von psychisch erkrankten und an mehreren chronischen Krankheiten leidenden Personen. Diese Patientengruppen stehen 2018 im Zentrum der Aktivitäten des Projekts ‹oordinierte Versorgung› welches das BAG gemeinsam mit Akteuren des Gesundheitswesens umsetzt. (Der Präsident des Bundesamtes für Gesundheit)

„Wir brauchen einfachere Zulassungsverfahren

Politik: Die Politik wird sich im Bereich der Gesundheit vermehrt mit den systembedingten und wirklich großen Themen befassen, die finanziell enorm viel ausmachen, wie zum Beispiel die mangelnde Koordination bei der Spitalplanung, die Spitzenmedizin und die Vereinheitlichung der Finanzierung der ambulanten und stationären Gesundheitsdienstleistungen. Wir begrüßen diese Entwicklung, denn Einzelmassnahmen bringen nichts – das hat die Vergangenheit gezeigt.

Gesundheitskosten: Die Ausgaben für Gesundheit steigen, doch vergessen wir oft den unglaublichen Nutzen, den die Bevölkerung daraus zieht. Unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Krankheiten, die früher schnell zum Tode führten, sind heute heilbar. Man realisiert den Nutzen oft erst dann, wenn man selber oder nahe Angehörige von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.

Medikamente: Bei den Medikamenten sind angemessene Regulierungen durch den Staat das A und O, damit für die Pharmaindustrie genügend Anreize bleiben, in der Schweiz Forschung und Entwicklung zu betreiben und auch zu produzieren. Denn dieser Wirtschaftszweig generiert hierzulande neben einem hohen Patientennutzen viele Arbeitsplätze und eine hohe Wertschöpfung. Beim Impfstoffmangel sehen wir schon heute, dass die Preise keine kostendeckende Produktion mehr erlauben. Auch die Entwicklung neuer Ansätze gegen mehrfach resistente Keime braucht wirtschaftlich sinnvolle Antriebe. Zudem braucht es einfachere Zulassungsverfahren. Die heutige Preisregulierung verhindert zudem in vielen Fällen die Weiterentwicklungen von Medikamenten und läuft damit dem Patientennutzen entgegen.“ Vereinigung der Pharmafirmen der Schweiz

Daten sind das Rohöl der Gegenwart und der Zukunft

Politik: Gesundheitskosten sind ganz oben auf unserer Liste. Leider tut sich die Politik schwer, griffige Maßnahmen gegen die steigenden Gesundheitskosten zu erarbeiten. Der Bericht der Expertenkommission des Bundes mit 38 Maßnahmen liegt nun vor. die Haltung des Bundesrats erwarten alle Akteure mit großer Spannung! Man muss allerdings kein Wahrsager sein, um vorauszusehen, dass viele der 38 Punkte keinen leichten Stand haben werden.

E-Health: Daten sind das Rohöl der Gegenwart – und erst recht der Zukunft! Mit dem Gesetz zum elektronischen Patientendossier hat der Gesetzgeber einen ersten, wichtigen Pflock eingeschlagen. Wenn die Versicherten den Wert eines mit Gesundheits- und Versorgungsdaten gut gefüllten elektronischen Patientendossiers erst einmal erkennen, wollen sie nicht mehr darauf verzichten, so wie sie in anderen Lebensbereichen nicht die Früchte der Digitalisierung missen wollen.

Tarifstrukturen: Der Tarifeingriff des Bundesrats entfaltet ab 1. Januar 2018 seine Wirkung. Leider nicht in dem Umfang, wie wir uns das bei curafutura gewünscht haben. Dennoch mit dem erwarteten Nebeneffekt, dass willigen Tarifpartnern klar ist: Wer sich nicht konstruktiv bewegt, wird – noch mehr – verlieren. Die Bereitschaft zum Kompromiss für einen aktualisierten Arzttarif wird grösser. Ein starkes Signal wäre, gemeinsam ein Tarifgesuch für einen revidierten Einzelleistungstarif beim Bund zu platzieren. Dieser könnte die Basis sein, Pauschalen zu vereinbaren.

Finanzierung durch Kantone und Krankenversicherer: Die Einheitliche Finanzierung Ambulant Stationär, EFAS, gewinnt zunehmend an Akzeptanz, auch bei den Kantonen. Es gelingt durch Pilotprojekte in verschiedenen Kantonen, Skeptikern zu beweisen, dass EFAS zwar keinen fundamentalen Wandel im KVG bedeutet, aber doch der entscheidende Schritt ist, um der Integrierten Versorgung einen wichtigen Impuls zu geben und den Wechsel von Stationär zu Ambulant zu beschleunigen. So kann die Schweiz ihren Rückstand gegenüber anderen Ländern bald wettmachen.

Fokussierung auf wirksame Medizin: smarter medicine ist ein äußerst wichtiger Beitrag der Patienten zur Gesundung des Systems. Dem aufgeklärten Patienten ist bewusst, dass mehr nicht in jedem Falle besser ist und gesünder macht. Verantwortungsbewusste Leistungserbringer unterstützen die Grass-Root-Bewegung der smarter medicine mit patientengerechter, offener Information über Interventionen, die nicht gemacht werden sollen.

Direktor Curafutura

Bevölkerung leidet unter Prämienlast

« In der Schweiz haben wir 26 verschiedene Gesundheitswesen, die wohl sehr gut sind, die wir uns aber nicht mehr leisten können. Jeder Kanton will möglichst viele Leistungen erbringen. Die Überlegungen dazu sind: Patienten im Kanton behandeln, hochstehende 7

Arbeitsplätze und die Steuern sollen im Kanton bleiben. Deshalb wird immer noch mehr an Überkapazität ausgebaut. Die Institutionen müssen mit gut ausgebildetem Personal ausgerüstet werden, und von den Leistungserbringern werden schwarze Zahlen gefordert. Das hat großzügige Indikationen bzw. Überversorgung zur Folge! Ambulatorien werden in den öffentlichen Spitälern ausgebaut, da der Ärztestopp in den Ambulatorien keine Wirkung hat. Viele Leistungen werden von Stationär zu Ambulant verschoben, was wir befürworten. Die Rechnung muss hingegen zu 100 Prozent mit den Prämien bezahlt werden. Seit 1996 sind die Gesundheitskosten um 85 Prozent gestiegen, die Prämien in der gleichen Zeit um 124 Prozent. Wir haben eine Kostenverschiebung von den Steuerzahlern zu den Kopfprämien. Die Bevölkerung leidet unter der Prämienlast. Die vom Bund ausbezahlte Prämienverbilligung wird von den Kantonen nicht immer an die Bevölkerung weitergegeben, sondern wegen der Sparpakete für andere Zwecke verwendet. – Wir verlangen, dass sich die Kantone in fünf bis sechs Gesundheitsregionen organisieren und Leistungsaufträge vergeben. Das viel gelobte Globalbudget wird die steigenden Kosten nicht korrigieren können, aber dafür lange Wartezeiten und viele kurze Arztbesuche und weniger Qualität für Patienten zur Folge haben. Das kann doch nicht die Lösung sein! »

Wachsende Bürokratie hemmt Innovationskraft

« Die Schweizer Medizintechnik leistet einen wichtigen Beitrag für das hiesige Gesundheitswesen und prägt dessen Entwicklung entscheidend mit. 2018 und die darauffolgenden Jahre wird die Medtech-Industrie vor allem die Umsetzung der neuen EU-Regulierungen für Medizinprodukte (MDR) und In-vitro-Diagnostika (IVDR) beschäftigen. Besonders KMU sind von den äußerst aufwändigen Umstellungen betroffen. Wachsende Bürokratie hemmt ihre Innovationskraft und verzögert die Markteinführung von zum Teil lebenswichtigen Produkten. Mit seinen Experten setzt sich Swiss Medtech dafür ein, dass neue Anwendungen möglichst schnell zu den Patienten gelangen. Hier macht sich der Verband zusammen mit seinen Partnern stark für ein freiheitliches und fortschrittliches Schweizer Gesundheitswesen. »

Direktor SwissMedTech

Fehlanreize ausschalten

Die Suche nach dem sagenhaften Ei des Kolumbus geht weiter, so könnte man, gemünzt auf die Maßnahmen zur Dämpfung des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen, die Aussichten für 2018 überschreiben. Ab dem 1. Januar 2018 verlangen nach dem Kanton Luzern auch Zürich und Zug, dass bestimmte Wahleingriffe nur noch ambulant durchgeführt werden dürfen. Weiter treten die vom Bundesrat verfügten Tarifsenkungen im ambulanten Arzttarif TARMED in Kraft. Bisherige Erfahrungen zeigen uns, dass die Leistungserbringer Einsparungen aus solchen Tarifeingriffen mit Mengenausweitungen kompensieren. Ich hoffe, dass es gelingt, wenigsten einen – gewichtigen – Fehlanreiz auszuschalten: Die heute unterschiedliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen. Eine einheitliche Finanzierung mit Mitbeteiligung der Kantone an ambulanten Behandlungen stellt die optimale medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten wieder ins Zentrum. »

Direktorin Santesuisse

Fehlanreize ausschalten

Die Suche nach dem sagenhaften Ei des Kolumbus geht weiter, so könnte man, gemünzt auf die Maßnahmen zur Dämpfung des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen, die Aussichten für 2018 überschreiben. Ab dem 1. Januar 2018 verlangen nach dem Kanton Luzern auch Zürich und Zug, dass bestimmte Wahleingriffe nur noch ambulant durchgeführt werden dürfen. Weiter treten die vom Bundesrat verfügten Tarifsenkungen im ambulanten Arzttarif TARMED in Kraft. Bisherige Erfahrungen zeigen uns, dass die Leistungserbringer Einsparungen aus solchen Tarifeingriffen mit Mengenausweitungen kompensieren. Ich hoffe, dass es gelingt, wenigsten einen – gewichtigen – Fehlanreiz auszuschalten: Die heute unterschiedliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen. Eine einheitliche Finanzierung mit Mitbeteiligung der Kantone an ambulanten Behandlungen stellt die optimale medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten wieder ins Zentrum. »

Direktorin Santesuisse

Gesundheit 2020 BAG

Die Zahl der älteren Menschen und damit der chronischen Krankheiten nimmt zu, die heutigen Strukturen sind auf Akutversorgung ausgerichtet, es fehlt an Transparenz und Steuerbarkeit: Mit der Strategie Gesundheit2020 richtet der Bundesrat das Gesundheitssystem optimal auf diese Herausforderungen aus. Er will es in allen Bereichen so verbessern, dass erkrankte oder verunfallte Personen in der Schweiz auch weiterhin in hoher Qualität versorgt werden.

Der Bundesrat hat im Januar 2013 die Strategie Gesundheit2020 verabschiedet. Mit 36 Maßnahmen will er die Lebensqualität sichern, die Chancengleichheit stärken, die Versorgungsqualität erhöhen und die Transparenz verbessern. 9

Heute Herausforderungen von morgen angehen

 Die Zahl der älteren Menschen und damit der chronischen Krankheiten wird stetig zunehmen

 Die heutigen Strukturen sind zu sehr auf die Akutversorgung ausgerichtet

 Es fehlt im Gesundheitswesen an Transparenz und Steuerbarkeit

 Die Gesundheitskosten werden durch die demografische Entwicklung und den medizinisch-technischen Fortschritt weiter steigen

 Die hohen Krankenkassenprämien stellen schon heute für viele Menschen eine spürbare finanzielle Belastung dar.

In 4 Handlungsfeldern werden die Themen abgehandelt:

 Handlungsfeld Lebensqualität

 Handlungsfeld Chanchengleichheit

 Handlungsfeld Versorgungsqualität

 Handlungsfeld Transparenz

Die Maßnahmen werden in 80 Teilprojekten umgesetzt. Ein Überblick dazu ist auf der Homepage des BAG zu sehen: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/strategien-politik/gesundheit-2020/aktivitaeten-gesundheit2020/alle-aktivitaeten-im-ueberblick.html 10

Nationale Konferenz Gesundheit2020

Die Nationale Konferenz Gesundheit2020 hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Dialogplattform mit den Gesundheitsakteuren etabliert. An der letzten Konferenz vom 29. Januar 2018 ging es um die Gesundheitskosten.

Eine internationale Expertengruppe hat im September 2017 in einem Papier aufgezeigt, wie das Wachstum der Gesundheitskosten eingedämmt werden könnte.

Sie legt 38 Maßnahmen vor, davon zwei übergeordnete: Eine verbindliche Zielvorgabe für das Kostenwachstum in den verschiedenen Leistungsbereichen und ein Experimentierartikel, um innovative Pilotprojekte zu testen. Diese beiden Maßnahmen standen im Zentrum der Konferenz.

Ein Faktenblatt des BAG zeigt die Ergebnisse der Expertengruppe https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/50290.pdf

Ein eigener Bereich sind Vorschläge zur Kostendämpfung zur Entlastung der Krankenpflegeversicherung

https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/50084.pdf

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Schweizer mit ihrem Gesundheitssystem an sich sehr zufrieden, aber unter den zunehmenden finanziellen Belastungen stöhnen. Bei gleicher Qualität gleich gut bis besser und trotzdem mit dem Versuch von Einsparungen.

Erst die nächsten Jahre werden zeigen, wobei ein jährliches Monitoring läuft, wie die Umsetzung gelingt.

Zusammenfassung D A CH

Es zeigen sich in den deutschsprachigen Ländern sehr ähnliche Probleme:

Die Systeme sind in keiner Weise auf die Veränderung der Alterspyramide eingestellt.

Die zunehmende Zahl chronischer Erkrankungen im Bereich der NCD spiegelt sich nicht in den Versorgungsstrukturen wieder

E-Health ist nur rudimentär ausgebaut und spielt anfänglich nur in der Administration eine Rolle, kaum noch bei den Patientendossiers

Die Versorgung aus einer Hand, wo die Grenzen zwischen Stationär und ambulant fließend sein sollten, ist kaum umgesetzt

Die Prävention als ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor und Kostendämpfungsfaktor wird stiefmütterlich behandelt

Gesundheitsbildung und transparente Information existieren kaum

Alle drei Ländern ist ein Mangel an Pflegepersonal zu bemerken

Man versucht diesen vor allem durch Anwerbung aus anderen Ländern auszugleichen und hat den Pflegebereich nicht die notwendige Anerkennung und auch Bezahlung angedeihen lassen.

Die Schweiz stellt fast ein Drittel des ärztlichen Personals aus ausländischen Ärzten.

Weiterhin ist das System noch zu stark regionalisiert und nicht flächendeckend abgestimmt

 

Euer

Hubert Hrabcik