Bewährte Medikamente verschwinden vom Markt

Prof.Hrabcik

 

Roulette der Medikamentenversorgung in Österreich

Jeder praktizierende Arzt in Österreich hat in den letzten Jahren immer wieder zu seiner Überraschung gemerkt, dass plötzlich altbewährte Medikamente vom Markt verschwinden oder einige Wochen bis Monate nicht lieferbar sind.

Das mag in einigen Fällen durch Ausweichen auf Äquivalenzpräparate noch tolerierbar sein, manchmal ist es aber sehr störend.

Oder gefährlich.

Erinnern wir uns an die Kinderimpfstoffe, die in den letzten Jahren trotz Lieferverträgen mit der Republik nicht lieferbar waren.

Interessant sind, so es das überhaupt gibt, die Begründungen. Manchmal erinnern sie an Ausreden.

Dazu kommt noch, dass bei Engpässen in Europa durchaus auch österreichische Lagerbestände weg transferiert werden. Nun leben wir in dem Glauben, dass  sowohl das Gesundheitsministerium als auch die Medizinmarktaufsicht in der AGES da eine Kontrolle ausüben können oder müssen.

Dabei gibt es eine politische Verantwortung und eine gesetzliche. Oder doch nicht?

In den letzten Wochen gab und gibt es ein Durcheinander. Präparate mit Mefenaminsäure sind kaum erhältlich.

Parkemed in der 500er Version ist nicht mehr verfügbar-angeblich ist der Hersteller über die Preisgestaltung des Hauptverbandes verschnupft. Ein Generikum wird kontingentiert auf Kasse, weil der Hersteller nicht nachkommt.

Über bleiben der Arzt, der rezeptieren will und im Unklaren gelassen wird und vor allem der Patient.

Seitens des Gesundheitsministeriums dürfte das dort  niemand aufgefallen sein.

Die Medizinmarktaufsicht weiß es wohl, hat aber gebundene Hände. Denn, man glaubt es kaum, es gibt keinerlei Meldepflicht, wenn ein Präparat nicht mehr zur Verfügung steht. Und damit auch keine Kontrollmöglichkeit.

Angeblich gibt es Überlegungen, im Arzneimittelgestz diesbezüglich etwas zu reformieren.

Derzeit ist die Situation so, dass nach einer strengen Zulassung wir keinerlei Garantie und Sicherheit haben, was ins Land geliefert wird und für die Versorgung unserer Pateinten zur Verfügung steht.

Und da beginnt jetzt die politische Verantwortung: Man muss von einem engagierten Gesundheitsminister verlangen. dass er unabhängig von Gesetzen die Pharmazeutische Industrie zur Ordnung ruft und an ihre Verantwortung erinnert!

Bei der derzeit anlaufenden Renovierung des Gebäudes des Hauptverbandes sollte man versuchen, Verantwortung für die Bevölkerung dort mit einzubauen. Sonst müsste man glauben, dort sitzen Bonzen

Bonze 

Bonzen sind nach chinesischer Interpretation Personen, die die Vorteile ihrer Stellung genießen und sich nicht um die Belange anderer kümmern. Oder ein höherer, dem Volk entfremdeter Funktionär, oder….

Ob es Bonzen in Österreich gibt? Das überlasse ich der Beurteilung der geschätzten Leserinnen und Leser.

 

Euer

Hubert Hrabcik

 

PATIENTEN DER ZUKUNFT UND ÄRZTE DER VERGANGENHEIT?

Dr. G. M. Schenk

Medizinische Informationen aus dem Internet finden im Zeitalter der Telekommunikation zunehmend an Bedeutung.

Die Statistik über die Nutzung der Information  und Kommunikations-technologie 2017 zeigte laut Statistik Austria, dass 81% aller 16-74-jährigen im Internet aktiv sind. Das Suchen von Information über Waren und Dienstleistungen ist weit verbreitet. Auch Artikel in verschiedenen kommerziellen Zeitschriften werden gerne gelesen.

Patienten können dadurch gut über ihre Erkrankung informiert sein, andererseits aber auch zu falschen Schlussfolgerungen und Entscheidungen gebracht werden.

 

Wo liegt die Gefahr?

Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, wie es in den Artikeln 27 ff des Zivilgesetzbuches steht, ist für Ärzte bindend. Diese Selbstbestimmung ist mit Entscheidungsfreiheit, nicht aber unbedingt mit Mündigkeit, verbunden.

Auf der anderen Seite ist für Ärzte die Sorgfaltspflicht bei der Patientenbetreuung oberstes Gebot und Grundlage für jede medizinische Intervention. Sie müssen nach ihren Qualitätskriterien, welche auf internationale Studien und Leitlinien beruhen, handeln.

So mancher Patient ist enttäuscht, wenn ihm nicht die Therapie, die er durch die Informationen aus dem Internet erwartet hat, angeboten wird. Oft sollte auch der Zeitrahmen seiner Behandlung mit seinen Vorinfomationen konform gehen. Andere Patienten sind mit der zunehmenden Informationsflut überfordert und dadurch verunsichert.

Wie schaffen wir mit solchen Entwicklungen den medizinischen

‚best point of service‘?

 

Informierte Patienten, die mit den Richtlinien einer qualitativ guten Behandlung vertraut sind, wären ideal. Diese Patienten kann es jedoch nicht ohne Arzt geben (Kampits, P. (1996) Das dialogische Prinzip in der Arzt-Patienten-Beziehung). Erkrankungen und medizinische Eingriffe können mit  Veränderungen in der Existenz verbunden sein. Im Extremfall kann es um Leben und Tod gehen.

Das Gefühl des ´ausgeliefert seins´, des Kontrollverlustes durch die Erkrankung wird möglicherweise durch eine alleinige Bestimmtheit von ´Halbgöttern in Weiß´ verstärkt. Dem wollen sich mehr und mehr Patienten durch Zusatzinformationen entziehen.

 

Um die Hilflosigkeit der Patienten nicht durch Fehlinterpretationen oder Unverständnis ihrer eingeholten Fakten zu verstärken, sollten wir handeln.

Die Literatur aus dem Internet, Artikel von kommerziellen Zeitschriften oder die etwas andere Art der Erkrankung im Vergleich zu Bekannten und Verwandten sollten von Ärzten ernst genommen und besprochen werden.

 

Die Beratung im Krankenhaus ist blockiert durch hohes Arbeitspensum. Der klassische Hausarzt mit Kassenvertrag ist in den Ordinationszeiten mit einer Flut von Patienten konfrontiert.

Zeit ist Mangelware.

Damit kann ein teilinformierter, selbstbestimmender und kritischer Patient im Spital oder in der Kassenpraxis zeitraubend wirken.

Wahlärzte bieten Zeit.

Dass Patienten diese brauchen, zeigen uns steigende Patientenzahlen der Wahlärzte.

 

Arztbetreute Teleinformation ist in Österreich nicht verfügbar.

Aufgrund bedeutender Abwanderung in andere Länder fehlt es immer mehr an ärztlichem Nachwuchs.

 

Hier könnte aber das Wissen unserer alten Mediziner sehr hilfreich sein: Pensionierte Ärzte sind auf diesem Gebiet eine unausgeschöpfte Ressource. Besonders pensionierte Chirurgen, Onkologen und Kollegen mit Erfahrung bei endoskopischen Eingriffen wären hilfreich, würden sie Aufklärungsgespräche durchführen dürfen.

 

Der Zeitrahmen für Patienten könnte mangels anderer dringender Verpflichtungen besser und mit Ruhe ausgeschöpft werden.

Patienten könnten fachlich korrekt und dem persönlichen Krankheitsbild entsprechend informiert werden. Verunsicherungen und falsche Erwartungen könnten vermieden werden.

Ärzte, die mit 65 Jahren in Pension gehen müssen, könnten bis zum 70. Lebensjahr unterstützend wirken.

Warum nützen wir dieses ‚win-win-System‘ nicht?

 

 

Künstliche Intelligenz in der Medizin

März 2018 erschien im Wirtschaftsmagazin „Forbes“  wieder ein Artikel über Künstliche Intelligenz (=KI)  innerhalb der Medizin – eine Wechselwirkung, die den Verfassern von „Forbes“   am Herzen zu liegen scheint.

Link-> einige Beispiele für KI und Medizin

Am 16.3.2018  fungierten innerhalb des Artikels Medizin, KI und Ethik als Hauptdarsteller – der Faktor Kosteneinsparung wurde diesmal von der Bühne verbannt – Ethik war im Blickpunkt.

Da Entscheidungen innerhalb der Medizin meist erhebliche Konsequenzen haben, werden computerbasierte Entscheidungshilfen allerdings auch zu Recht nach ihrer ethischen Gewichtung hinterfragt.

Zur Beleuchtung der ethischen Stolpersteine erlaube ich mir einige Erklärungen:

Den  Definitionsdschungel durch die angloamerikanische intelligence und die deutsche,  humanfixierte Intelligenz möchte ich  vermeiden und Künstliche Intelligenz(=KI)  als automatisiertes  intelligentes Verhalten und Maschinenlernen umschreiben.

Eine weitere funktionale  Aufteilung in eine schwache KI und eine starke (menschenähnliche)  KI scheint mir bei der Erarbeitung ethischer Probleme ebenso hilfreich zu sein.

Die schwache KI unterstützt nur menschliche Entscheidungsfindungen, hat aber dennoch die Fähigkeit des maschinellen Lernens  und kann mit unsicheren Ausgangslagen sowie deren Wahrscheinlichkeiten  umgehen.

Die schwache KI arbeitet  mit mathematischen und logischen Algorithmen, besitzt zu keiner Zeit ein eigenes Bewusstsein – der Lernvorgang muss aber schon im KI-System integriert sein  – nachträgliches, imperatives Programmieren sollte nicht sein.

Ich durfte selber einige Jahre mit dem Entwicklungssystem Personal Consultant Plus von TI arbeiten und kann mich gut an die  Stellschrauben der certainty factors erinnern, die sich das XP-System bei gehäuftem Einsatz  auch selber verstellen kann.

Und hier kommt die unmittelbare ethische Verantwortung der menschlichen Erstanwender zum Tragen, der  ja den Umfang des maschinellen  Lernens und damit die Selbstregulierung des Systems beeinflussen – was wiederum bedeutet:

Jeder Einsatz von KI  innerhalb der Medizin muss von Ärzten ( nicht Technikern, „Gesundheitsexperten“ oder gar Patientenanwälten) überwacht werden, da sich KI-Systeme  weiterentwickeln   und genauso wie Menschen Falsches lernen können und dadurch falsch entscheiden.

Gefährlich wäre dann der nächste Schritt: die sofortige Weitergabe   falscher KI-Daten in ein kollektives, maschinelles Wissen, wo es ungeprüft und überhastet zum Schaden anderer weiterverwendet werden könnte.

Link-> Use of Artificial Intelligence Raises Ethical Questions.

Der Unterschied zwischen gebräuchlicher Programmierung mit  eindeutiger Verantwortung und einer selbstlernenden KI, die   selbsterweiternd ist, kann nicht deutlich genug wiederholt werden.

Aus der bekannten, klar imperativen Programmierung wird eine zunehmend  logisch autonom agierende Entscheidungshilfe, die man durch Konfrontation mit unbedingt unverfälschten Informationen sorgsam „erziehen“ muss.

KI wird noch über einen sehr, sehr langen Zeitraum lediglich „decision support“ sein, nur bei  zeitweisem starkem Mangel an ärztlichen Personal, wie  in Kriegs- und Katastrophenzeiten, wird die Gewichtung sich mittelfristig verschieben. Es ist möglicherweise im militärischen Gefechtseinsatz mit autonom entscheidender medizinischer Notfall-KI  zu rechnen.

Link-> AI in Emergency – Hope or Hype?

Zum Abschluss noch ein kurzes Video über Röntgendiagnostik und KI

facit: die Vorteile der  KI in der Medizin werden etwaige Probleme wohl deutlich überwiegen.  Wichtig ist die Erkenntnis,  mit der KI über ein   Werkzeug zu verfügen, welches völlig neue Verantwortungsbereiche durch das  Angebot der Lerninhalte schafft.

Günter Koderhold