Heeressanitätsdienste zerstückelt – deren Arbeit sollen öffentliche Krankenhäuser übernehmen

Getragen von den mir zur Verfügung stehenden Publikationen und Insiderinformationen wurde der Sanitätsdienst des öBH in unglaublichen Weise zerstückelt und auch wesentliche versorgungselemente ersatzlos gestrichen. Dazu kommt, dass man wesentliche Veränderungen in der zvilen Gesundheitstruktur sowohl materiell als auch personell ignoriert hat.

Genmaj.i.R. Prof.Dr.Hubert HRABCIK über die „Re-Fokussierung des Sanitätsdienstes des öBH“

  • Im Bereich der zivilen Krankenanstalten wurde eine Straffung, Verkleinerung der Abteilungen durchgeführt.
  • Personell sind die Krankenanstalten ausgeblutet, haben keinerlei >Personal Reserven.
  • Im Bereich der Medizin findet erstens ein Generationenwechsel statt und bedingt durch die „Flucht“ der Nachwuchsgenerationen zu 40% ins Ausland unmittelbar nach der Promotion blicken wir einer Ausdünnung der Ärzteschaft entgegen.
  • Aber auch in der Ärzteschaft macht sich zweitens bemerkbar, dass bei den Studenten die Frauen die 50%-Grenze weit überschritten haben. Davon abgeleitet wird auch die Zahl der niedergelassenen und selbstständig berufsberechtigten zunehmend weiblich.
  • Im Spital fast 40% Ärztinnen, bei den Niedergelassenen derzeit etwa 35%;Tendenz Zunehmend.
  • Das hat nun im Anlassfall große Bedeutung. Es gibt keine Reserve mehr,die Spitäler sind jetzt schon in einsatzrelevanten Fachbereichen zu 100% ausgelastet.
    Und man muss berücksichtigen, dass die Ärztinnen zum Teil nur in Teilzeit arbeiten,um ihre Rolle als Frau und im b Beruf ausfüllen zu können.



Bedingt durch die Budgetknappheit kommt es auch international gesehen zu gravierenden Veränderungen. Einerseits eine Zusammenführung verbleibender Strukturen. Auch unter Berücksichtigung der sehr großen Strukturunterscheide hat die USA ab 1.10.2018 in ihrer Defense Health Agency die Führung aller Militärkrankenhäuser übernommen, die aus den Teilsteitkräften schrittweise herausgelöst werden. Begründet wird dies vom Principal deputy Assistent secretary of Defense health Affairs Mr. Thomas McCafery als “first step for the MHS to emerge as a more integrated and efficient system of health and readiness”

Wir müssen uns auch bei Berücksichtigung der Unterschiede in Größe und Struktur wohl fragen, warum wir unseren Partikularismus beibehalten, wo halt nach regionalen Ideen, durchaus gut gemeint, der Sanitätsdienst geführt wird.

Aufgabenstellung:

Jeder nach WG zu behandelnde und zu versorgende muss den Anspruch haben, ohne jedwede Qualitätsunterschiede im öBH seine entsprechende Akut und Langzeit Versorgung zu erhalten.

Sind wir derzeit dazu befähigt?
Mir fällt es schwer, das zu sagen, aber es muss mit nein beantwortet werden.

Der laufende Dienst und Ausbildungsbetrieb hat durchaus seine bekannten Gefährdungs und Risiko Bereiche, die man primär abdecken muss. Das geschieht nur zum Teil.

Wenn man sich am Beispiel benachbarter Länder orientiert, sei auf die Deutsche Bundeswehr hingewiesen. Seit Novemeber 2016 gibt es dort eine Arbeitsgruppe Refokussierung des SanD, die die Erfordernisse im Bündnis und Verteidigungsfall untersucht.

Dabei werden folgende Felder abgearbeitet:

  • Patiententransport
  • Versorgungsebene 1
  • Versorgungsbene 4
  • Missionspakete für Internat.Krisen und Konfliktmanagement
  • Bi/-multinationale Kooperationen
  • Kooperatioon RK
  • Erhöhung der Reaktionsfähigkeit
  • Verwundungs,Erkrankungs und Verletzungsmuster
  • InfraSTRUKTUR AUSBILDUNG
  • Personeller und materieller Nachwuchs
  • Reservisten
  • Integration der Katastrophen und Einsatzmedizin in die universitäre Lehre
  • IT Struktur und Telemedizin

Das ist nur eine bruchstückhafte Aufstellung, die aber in jedem Land unabhängig von der Mannstärke der Armee abgehandelt werden muss.

Dazu kommt noch, dass der Geenralstab gefordert ist, ein Fähigkeitsprofil des Bundesheeres vorzulegen. Darin müssen auch sanitätsdienstliche Fähigkeiten enthalten sein! Auch dabei ist zu beachten, dass bei gleichem Wissensstand über die geopolitische und militärstrategische Lage andere Länder begonnen haben, ihren militärischen Bereich und Sanitätsarm zu refokussieren und wieder zu verstärken.Denn weder das zivile Hinterland noch eigene Einrichtungen wären in der Lage, eine qualitativ gute Einsatzversorgung abschließender Art derzeit durchzuführen. Weder das Wählen von 144 für die Rettung noch die Krankenanstalten im Bundesgebiet werden diesen Auftrag uns abnehmen!

Richtet man den Blick zurück im Sanitätsdienst öBH, so zeigt sich, dass in den letzten 10 Jahren der Sanitätsdienst scheibchenweise demontiert wurde.

und man immer mehr, sowohl im Inland als auch Ausland die abschließende medizinische Versorgung in den Zivilbereich verlagern will oder in PartnernaTIONEN:

Man vergisst dabei, dass wesentliche spezifische Bedürfnisse und Erkenntnisse und Bedarf dort aber nicht abgebildet ist. Dazu kommt noch eine zunehmend weibliche Ärzteschaft, die hier mangels eigener Erfahrungen wenig einbringen kann.

Für mich mit meinen langjährigen militärmedizinischen und zivilen Erfahrungen stellt sich die Situation als 5 nach 12 dar. Die Sanität hängt am dauertropf, um nicht völlig wegzusterben. Aber das allein ist für das Überleben zu wenig.

Der Nachwuchs bei UO und SanO ist eher dürftig bis zu wenig. Dazu kommt, dass nur durch eine laufende Anforderung im medizinischen Alltagsbetrieb hier Kenntnisse nicht nur bewahrt, sondern ausgebaut werden können.

Die jetzt vorliegenden Vorgaben scheinen mir nun, ohne Details zu kennen, nur geeignet, den dahinsiechenden Sanitätsdienst mit etwas Kosmetik zu versehen.

Es sollten nicht erst einzelne Zwischenfälle dazu führen, dass ein Organisationsversagen aufgedeckt wird.

Genmaj.i.R. Prof.Dr.Hubert HRABCIK

24.03.2019