Die seit Jahrzehnten übliche Berufskleidung im Spital wird durch kontingentierte, minderwertige Textilien ersetzt.

Im Krankenhausbereich steht eine tiefgreifende Änderung der Bekleidungsvorschriften vor Vollendung.

Die Minderwertigkeit der neuen Textilien, der eklatante Mangel an Reinigung mit „Dauerflecken“ und die von der Exposition unabhängige Kontingentierung werden zu einem Kernproblem und lassen mangelnde Kenntnisse bei  Richtlinien und Gesetzen seitens des Arbeitgebers vermuten.

Allerdings darf der Usus, unter dem weißen Ärztemantel Privatkleidung zu tragen, die üblichen Hygieneerwartungen nicht entsprechen kann, auch nicht verschwiegen werden.

Ich erlaube mir zunächst den Unterschied zwischen Berufskleidung zur Arbeitskleidung anzuführen, wobei man den Einfluß  der Amtstracht früherer Jahrhunderte nicht vergessen möge:

 

Berufskleidung: bietet Schutz vor Gefahren, z.B. Kontamination, ist den Anforderungen der Arbeit geschuldet und  ordnet den Träger eindeutig einer Berufsgruppe zu. Der Übergang zur Amtstracht ist durchaus fließend. Berufskleidung dient dem Schutz und der Identifikation 

Dienstkleidung: uniformierte Arbeitskleidung – diese  dient dem Schutz der Patienten und der Mitarbeiter.Die Vorschriften zur Kleiderordnung stellen immer einen Eingriff in die Rechte der Arbeitnehmer dar. Will der Arbeitgeber hier bestimmen, muss er seine Interessen mit denen der Arbeitnehmer genau abwägen.

Kombination von Berufskleidung mit Privatkleidung: kann am ehesten noch als   Amtstracht interpretiert werden, kann im allgemeinen den hygienischen Richtlinien nicht genüge tun.

Bereichskleidung: unterscheidet sich durch farbliche Trennung von der Dienstkleidung und ist ausschließlich im jeweiligen Bereich zu tragen.

Grundsätzlich gilt die Notwendigkeit den täglichen Wechsel, bzw einen sofortigen nach Kontamination dem Dienstnehmer anzubieten (Dienstkleiderordnung, Richtlinie: 0010.3215)

Eine Kontingentierung auf zwei bis drei Garnituren pro Wochen erzwingt de facto die Reinigung der kontaminierten Dienstkleidung am Wohnort des DN und ist schärfsten abzulehnen. Ein Dienstgeber, der durch kontingentierte Dienstkleidung dies erzwingt, handelt grob fahrlässig.

Der schnelle  Zugang zum Kleidungswechsel nach Kontamination hat vom Dienstgeber gestellt zu werden, da sonst eine Verschleppung gefährlicher Keime gefördert wird. Ein Dienstgeber, der durch weit vom Arbeitsort liegende Wäscheausgabe den Kleidungswechsel nach Kontamination erschwert, handelt grob fahrlässig.

 

Dienstkleidung_neu

(dünnes, der Haut anliegendes Synthetikgewebe, das sich bei gefüllten Taschen sofort verzieht)

 

Facit:

a)  eine kontingentierte Dienstkleidung mit erschwertem Zugang zum Wechsel derselben, widerspricht  jeder  hygienischen Dienstkleiderordnungrichtlinie. (Dienstkleidung ist u.U. täglich bzw. nach Kontamination sofort zu wechseln).

b) Vorschriften zur Kleiderordnung stellen immer einen Eingriff in die Rechte der Arbeitnehmer dar und werden im Rahmen von Betriebsvereinbarungen definiert.  Als ungewöhnlich hässlich und umkomfortabel empfundene verordnete Arbeitskleidung kann als schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der AN interpretiert werden.

c) Im Sinne eines funktionierenden Krisenmanagements ist die schnelle und eindeutige Berufszuordnung unverzichtbar, wobei dies nicht für eine  Kombination von Berufs- und Privatkleidung gilt.

 

 

Günter Koderhold

2 Gedanken zu „Die seit Jahrzehnten übliche Berufskleidung im Spital wird durch kontingentierte, minderwertige Textilien ersetzt.“

  1. Und wieder wird von der politischen Nomenklatura verfügt, dass Ärzte als anscheinend minderwertige Mitarbeiter ruhig in dreckigen durchgeschwitzten Dienstgewändern herumlaufen sollen . Und selbstverständluch nicht in weiß. Politische Gleichschaltung! Ökonomen freuen sich, Hygieniker sollten entsetzt sein. Und die sonst wortgewandte Gewerkschaft schweigt. Hat die das vorher ausgehandelt und zugestimmt?
    Wieder ein Argument mehr, dass Sie bei der kommenden Wahl ihre Stimme der Freien Ärzteplattform geben sollen.
    IHRE SORGEN
    UNSER AUFTRAG

  2. stimmt schon, aber die Vereinheitlichung des medizinischen Personals zu Arbeitsameisen ist ein internationales Phänomen – das machen die Amis genauso – es geht generell um die Entpersönlichung von Ärzteschaft und Pflegepersonal –

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