Pflegeregress und Ahndlvertilgung – wenn Landespolitiker träumen…

Prof.Hrabcik

Als die Kabarettisten Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger im Rahmen eines fiktiven „Radio-Landfunkes“ über die unerwünschte ältere Generation philosophierten, war man vom – mittlerweile abgeschafften- Pflegeregress noch Jahrzehnte entfernt.

Die primitive Art, mit der manche Landes- und Altpolitiker über einen neuerlichen Pflegeregress philosophieren, soll nicht unwidersprochen bleiben, deshalb zunächst einmal die Original Landfunksendung zum Anhören:

 

 

Seit Wochen, wahrscheinlich bedingt durch die cerebralen Hitzeschäden und das mediale Sommerloch, wird heftigste diskutiert, wie unerhört es sei, dass öffentliches Geld für ältere Mitbürger aufgewendet werden muss, um deren Aufenthalt in Pflegeeinrichtungen mitzufinanzieren.

Das Problem war seit Jahrzehnten bekannt und vor allem auch, dass die Größendimension zunehmen wird. Allein in Wien rechnet man mit einigen hunderttausend mobil eingeschränkten, die eine Unterstützung brauchen.

Nun sollte man annehmen, dass unsere Politiker als vorausplanende Menschen sich schon lange mit dem Problem beschäftigt und Lösungen kreiert haben. Nun allein in Wien hat das Land die öffentlichen Pflegeplätze auf etwa 6000-7000 reduziert. Vertrauend, dass die lieben Alten Zuhause verwahrt und so gut es geht gepflegt werden.

Und jetzt ist der Run auf öffentliche Pflegeplätze eröffnet. Wer so wie ich nach unzähligen Visiten die Situation erlebt, wie schwierig oft die Betreuung älterer Familienmitglieder und wie oft die notwendige Qualität dabei beim besten Willen nicht erreicht werden kann, ist über den Run nicht erstaunt.

Wer sind nun diese „Alten“, die ungeheuerliches abverlangen. Es sind unsere Mitbürger, die Jahrzehnte hier hakelten, Steuern zahlten und halfen, das Land und sein Wirtschaftsgefüge zu verbessern. Sicher keine Sozialschmarotzer. Die ihren Sparschilling oder Euro nun in ihren Pflegeplatz investieren, aber es reicht nicht ganz. Statt das wir stolz und froh sind, diesen alten Menschen einen schönen Lebensabend zu gewähren, wird der Neid genährt.

Selbst prominente ZIB2 Moderatoren halten die Aufhebung des Pflegeregresses nicht für richtig, sondern für ein Politzuckerl.

Keine Sorge, liebe Kritiker! Auch ihr werdet zunehmend älter und hoffentlich erst später eine Pflege bedürfen. Und dann werdet ihr froh sein, dass es einen Platz gibt, den die Gesellschaft gesponsert hat.

Ein hoher Beamter der Steiermark berechnete vor kurzem, dass sein Bundesland unerhörte 48Millionen durch den Wegfall des Pflegeregresses verliere. Das notwendige Geld könnte locker dadurch eingespart werden, dass man so manchen „öffentlichen Unsinn“ vermieden hätte. Allein mit dem Mehraufwand beim KH-Nord könnte man Jahrzehnte die Pflegeplätze subventionieren.

Es wird Zeit für uns Ärzte und alle Gesundheitsberufe, dass wir uns als Anwälte der „Alten“ stark machen und diese verlogene und falsche Diskussion beenden.

Das hat die österreichische Bevölkerung und der Anteil von fast 22% der Älteren nicht verdient, das man ihre Betreuung versucht zu kritisieren und zu diskreditieren.

Mehr denn je muss man einen Gesellschaftsvertrag einmahnen.

Sonst gilt womöglich das alte Bronner´sche Wort: Geh ma vertilgen. Fragt sich nur wen, wann und wo?

Euer Hubert Hrabcik

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