Kann die öffentliche Gesundheitsversorgung eine Milliarde einsparen? Die Antwort lautet: ja !

Durch den Regierungswechsel in Österreich am 18.12.2017 ergab sich nicht nur eine Änderung der politischen Verantwortung, sondern auch eine neue Argumentationslinie der konstituierten Opposition.

Erwartungsgemäß präsentierte sich die größte Oppositionspartei als „Schutzherrin“ ihr nahestehender  Institutionen, wobei vor allem die Gebietskrankenkasse im Rahmen der längst vom Rechnungshof empfohlenen  Kassenreform in die Rolle des zu verteidigenden „Waisenkindes“ schlüpfte.

Beachtenswert wird im RH-Bericht   mangelnde Planung und unzureichende Prognosegenauigkeit der Krankenkassen hervorgehoben

Link-> Rechnungshof 2016: Finanzierung der Krankenkassen

Strategische Zielvorgaben fehlen teilweise und wenn es sie gibt, fehlt die Abgrenzung zur operativen  Steuerung – kurz gesagt: das Tagesgeschäft wird zu wenig ernst genommen.

Eine radikale Änderung des Krankenkassensystem im Sinne einer wirksamen strategischen Planung und operativen Umsetzung erscheint aus zwei Gründen bedeutsam:

  1. die tatsächlichen Verwaltungskosten für das österreichische Gesundheitssystem sind viel, viel höher als von den (Gebiets)Krankenkassen angegeben, da eine enorme Verwaltungspflicht – noch dazu meist ohne medizinischen Mehrwert – an die intramural und extramural tätigen medizinischen Berufe ausgelagert wird. Dies führt zu einer massiven Reduktion der Wochenstundenanwesenheit medizinischer Berufe am Patienten selber. „Wer immer wieder Mehrfachdokumentation machen MUSS, hat weniger Zeit für kranke Menschen!“
  2. die über Jahrzehnte von den Gebietskrankenkassen  heftig ausgelebte Beschädigung von Ansehen und Tätigkeit der Allgemeinmediziner hat zu einer Kaskade an schweren Versorgungsmängeln geführt, die mittlerweile auch die Akutversorgung in den Spitälern belastet. Üblicherweise werden in Europa etwa 40% der  Akutpatienten  in allgemeinmedizinischen Gruppenpraxen und etwa 60% in Krankenhaus-Notfallambulanzen  versorgt – v.a. zukünftig eine Unmöglichkeit in Österreich, da es an  Allgemeinmedizinern mangelt – bedingt durch Pensionierungswelle, aber auch durch  miserable Bezahlung. Im Rahmen der Ärzteausbildungsreform  zeigte sich schon 2016 das  Desinteresse der jungen Ärzteschaft an der Ausbildung zur Allgemeinmedizin-kein Wunder bei der  Demotivation tätiger Allgemeinmediziner durch die GKKs.  Alleine der schwere Planungsfehler bei der allgemeinmedizinischen Versorgung  durch die GKKs genügt für eine tiefgreifende Reform  als Rechtfertigung. Die von patientenfernen Theoretikern erschaffenen „Kopfgeburten“ PHCs, bzw. PVEs, die  funktionierende, allgemeinmedizinische Gruppenpraxen darstellen sollten, sind so  unattraktiv geschaffen,dass praktisch niemand das Risiko auf sich nehmen will.

 

Jetzt zum Hauptthema dieses Artikels – wie kann man einsparen?

 

Um dies zu beschreiben, muss man strikt folgendes trennen:

a)  krankenkasseninternen Verwaltungsaufwand (angeblich 4-7% vom KK- Gesamtbudget)

b) Bürokratiefolgekosten durch an Gesundheitsberufe, Ordinationen und Spitäler ausgelagerte Verwaltung. Diese liegen wahrscheinlich über dem Verwaltungsaufwand der KK, sind aber versteckt und auf den ersten Blick nicht zu erkennen.

c) gesundheitspolitische Projekte ohne medizinischen Mehrwert, z.B.:  eigene, neue Studie über spezielle Frakturen bei schon zahlreich vorliegenden internationalen Leitlinien. Oder: Behördenleitlinien, die keine internationalen Qualitätsstandards erfüllen – und damit medizinisch als wertlos zu betrachten sind.

 

Eine gute, für Deutschland geltende, Übersicht ist die schon früher erwähnte Studie von A.T.Kearney über das Deutsche Gesundheitssystem von 2011

Link-> A.T.Kearney: aufgeblasene Verwaltung

Hier wird der gesamte Verwaltungsaufwand der öffentlichen Gesundheitsversorgung mit mindestens 23% vom   Gesundheitsbudget geschätzt – wovon man natürlich die „normalen“ Verwaltungskosten abziehen muss.  Zumindest 8% vom Gesamtbudget der öffentlichen Gesundheitsversorgung werden in der Studie als sichere Einsparungsmöglichkeit geschätzt.

facit: bei bestehender, massiver zusätzlicher Verwaltungsauslagerung  an Ordinationen und Spitäler liegen Kosten und  Einsparungsmöglichkeiten weit über dem (Teil)Betrag  der krankenkasseninternen Verwaltung.

 

Günter Koderhold

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